5000 für ein besseres Bildungssystem

18. Juni 2009
5000 für ein besseres Bildungssystem

5000 Menschen demonstrieren in Freiburg im Breisgau für freie Bildung und selbstbestimmtes Leben und Ler. Im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks fand in Freiburg die größte Demonstration der letzten vier Jahre statt. Neben Studierenden und einer sehr großen Anzahl an Schülerinnen und Schülern beteiligten sich auch Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und viele weitere an der Demonstration.

Ab 10 Uhr versammelten sich heute zahlreiche Menschen auf dem Platz der alten Synagoge in Freiburg um im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks auf die Missstände in der Bildungspolitik in Badenwürttemberg und in ganz Deutschland aufmerksam zu machen. “In den letzten Jahren wurden Selektion und Leistungsdruck im Bildungssystem enorm verschärft: Teilweise in großen Schritten, wie bei der Einführung der Studiengebühren, des 8-jährigen Gymnasiums oder der verschulten Bachelor-/Master-Studiengänge. Zum Teil aber auch scheibchenweise still und leise. Das darf so nicht weitergehen.” fasst Jonathan Nowak vom Bildungsstreikbündnis die Beweggründe der Demonstrierenden zusammen.
“Seit 2005 die bundesweite Rahmengesetzgebung für die Hochschulen praktisch aufgehoben wurde, beschleunigt sich die Verdrängung jedes Bildungsideals aus den Hochschulen rasant. Die Länder Reformieren mit viel Lobbyarbeit von Seiten der Wirtschaft im Rücken die gesamte Bildungslandschaft unter der Prämisse: schnell und unkritisch viel Fachwissen anhäufen.”, erläutert der Studierende Jannis Seyfried.
Auch von Seiten der LehrerInnen gibt es Kritik: “Das mehrgliedrige Schulsystem bedeutet Leistungs-, Noten- und Konkurrenzdruck von der Grundschule an. Klassengrößen von 30 und mehr Schülern erzeugen ein Klima der Anonymität und das Gefühl von Überflüssigkeit des Einzelnen. Angst, Neid, Mobbing sind die Folgen.”
Zudem führt Nikolas Klauser vom Schülerrat Freiburg aus: “Kinder aus bildungsfernen Haushalten haben eine viel geringere Chance einen Hochschulabschluss zu erreichen, als Kinder von reichen Eltern. Für Kinder, deren Eltern auf Hartz IV angewiesen sind, ist nur bis zur 10.Klasse staatliche Unterstützung für Schulmaterialien vorgesehen. Abitur wird somit für sie zu einem unbezahlbaren Luxus.”

Als sich die Demonstration gegen 11:30 in Bewegung setzte, hatte die Teilnehmerzahl 5000 Menschen erreicht. “Dass bei dieser Demonstration nicht nur Studierende, sondern auch LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen sowie Parteigruppen, Gewerkschaften und andere teilgenommen haben, zeigt dass die Bildungspolitik insgesamt überdacht werden muss. Zum einen darf Bildung nicht nur als Ausbildung im Sinne von Vermittlung von Fachwissen begriffen werden, zum anderen muss es oberste Priorität haben, dass jeder Mensch seinen Bildungsweg selbst bestimmen und wählen kann.”, fordert Jannis Seyfried. “Gebühren, vorgegebene Lern- und Studieninhalte und Zeitdruck stehen der Entwicklung eines freien, kritischen Geistes entgegen”, stellt er abschließend fest.

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