Kurz vor Beginn der Bildungsstreikwoche versuchen einige Freiburger Schulleitungen die Schülerinnen und Schüler vom Protest für ein besseres Bildungssystem abzuhalten.
Dazu wurden an mehreren Freiburger Schulen Elternbriefe mit der Behauptung verschickt, dass eine Teilnahme der SchülerInnen an der Demonstration nicht zulässig wäre. Dabei ist es der Auftrag der Schulen die SchülerInnen zu mündigen Menschen zu bilden. „Wenn jungen Schülerinnen und Schülern, die sich eventuell zum ersten Mal aktiv am demokratischen Meinungsbildungsprozess beteiligen wollen, mit Sanktionen gedroht wird, wird klar, dass die Schulen diesen Auftrag nicht wahrnehmen“, erklärt Elena Mahri vom Freiburger Bildungsstreikbündnis, „ihnen scheint eher daran gelegen die SchülerInnen zu einer systemkonformen Einstellung zu erziehen.“ Im Elternbrief, der zuerst von der Schulleitung des Kepler-Gymnasiums verschickt wurde, wird fälschlicherweise behauptet, dass es zwar für alle (Eltern, SchülerInnen, LehrerInnen) ein verbrieftes Demonstrationsrecht gebe, dieses aber nicht zu Unterrichtszeiten gelten würde.
Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit als wesentlicher Teil der freien Meinungsäußerung wird durch die Drohungen der Schulleitungen in illegitimer Weise eingeschränkt. „Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist eines der wichtigsten Grundrechte und darf nicht an der Schultüre enden!“ bekräftigt Nikolas Grimm.
Gerade die Bildungsstreikwoche bietet die Chance, das Bildungssystem als wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft zu begreifen und Alternativen zu den zahlreichen Missständen zu entwickeln. Mit der für den Bildungsstreik erstellten Zeitung stellen die OrganisatorInnen des Bildungsstreiks ihre Kritik dar und zeigen neue Wege auf. Sie fordern unter anderem eine Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, mehr LehrerInnen und eine Demokratisierung der Schulen.
Das Freiburger Bündnis fordert daher die Schulleitungen auf, den Bildungsstreik als Chance der Thematisierung des maroden Bildungssystems wahrzunehmen, statt repressiv gegen die eigenen SchülerInnen vorzugehen. Orientieren könnten sie sich beispielsweise an den Präsidenten zweier großer Berliner Universitäten. Diese hatten in der vergangen Woche erklärt, den bundesweiten Bildungsstreik zu unterstützen. Der Präsident der Technischen Universität Kurt Kutzler will zudem allen Beschäftigten freigeben, damit sie sich an der Demonstration beteiligen können.
„Wir hoffen, dass sich vom unkooperativen Verhalten der Schulleitungen niemand einschüchtern lässt und dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und alle Anderen am Mittwoch, 17.06. um 10.00 Uhr am Platz der alten Synagoge für ein besseres Bildungssystem auf die Straße gehen“, äußert sich Jonathan Nowak abschließend.
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