Wurde die Demo „gekapert“? Oder wieso kam es zu dieser Aktion?
Nein, die Demo wurde nicht durch stadtbekannte radikale DemonstrantInnen „gekapert“. Die Leute auf den Gleisen waren normale SchülerInnen, Auszubildende und Studierende, die an der Demo teilgenommen hatten. Vor einem Jahr gingen im Rahmen der ersten Aktionswoche des Bildungsstreiks bundesweit 270 000 Menschen auf die Straße. Mit Demonstrationen und kreativen Aktionen protestierten sie gegen soziale Selektion, Entdemokratisierung und Ökonomisierung im Bildungswesen. Dabei kam es zu keinen Besetzungen oder ähnlichem. Spätestens nach den (Hoch)schulbesetzungen im Herbst, die nur in die Abläufe der eigenen Vorlesungen eingegriffen haben, waren einige Themen des Bildungsstreiks in der Öffentlichkeit. Dazu gehörten verschulte Bachelor- und Masterstudiengänge, Studiengebühren, Unterfinanzierung der Bildungseinrichtungen, zu wenige Masterplätze, das dreigliedrige Schulsystem und ähnliches. Vielfach wurde von Politiker-Innen Verständnis geäußert. Doch statt den Problemen entgegenzuwirken, haben sich diese seither nur die Verantwortung gegenseitig zugeschoben oder auf die Presse ausgerichtete Veranstaltungen, wie die Bolognakongresse, organisiert. Vielen die an den Protesten beteiligt waren wurde klar, dass sich mit Öffentlichkeitsarbeit alleine nichts ändern wird. Die Forderung zusätzlich Druck aufzubauen wurden lauter. Daher wohl auch diese Gleisbesetzung.
Aber man stört doch dabei viele, die nichts damit zu tun haben! Und die DB kann ja auch nichts dafür.
Das ist sowohl wahr als auch das Prinzip von jedem sozialen Protest. Jede Demonstration stört das friedliche Shoppen in der Innenstadt oder den Straßenverkehr. Jeder Streik behindert Menschen. Es geht immer darum, gehört zu werden, indem man in Abläufe eingreift, um Menschen in ihrer Routine, in ihrem „Ja, mir geht es gut“, zu unterbrechen und um so auf ein bestimmtes politisches Thema aufmerksam zu machen. Dabei ist das Protestieren vor verantwortlichen oder symbolischen Stellen hauptsächlich eine Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit. Dies wurde im Rahmen des Bildungsstreiks bereits versucht, indem die größten Hörsäle als Schaufenster der Universitäten besetzt wurden. Geändert hat es nichts.
Aber verliert man mit einer solchen Aktion nicht die Sympathie der Bevölkerung?
Die Rückmeldungen waren gemischt. Deshalb wollen wir diese Diskussion führen. Prinzipiell besteht die Gefahr als Folklore einer traditionell von studentischen Protesten geprägten Stadt durchzugehen. Eine Einstellung der Art „Nett, die Studierenden protestieren wieder. Aber mich geht das nichts mehr an, ich habe fertig studiert“ bringt uns nichts. Die Proteste werfen die Frage nach der Rolle der Bildung in der Gesellschaft auf. Die Antwort darauf betrifft weit mehr als nur SchülerInnen, Auszubildende und Studierende. Ziel muss ein Verständnis dafür sein, viel mehr als eine abgrenzende Sympathie.
Und wenn wir schon dabei sind, eine Frage zum Bildungsstreik allgemein…
Besteht der Bildungsstreik aus Linksradikalen die unter dem Deck-mantel von Bildungsprotesten den Kapitalismus bekämpfen wollen?
Der Bildungsstreik ist und war schon immer bunt gemischt. Hier findet man Leute von der Mitte bis zu Linksradikalen. Da ist es natürlich, dass es manchmal „anticapitalista“-Rufe auf Demos gibt und je nach Verfasser ein Flyer mehr oder weniger radikal wird. Prinzipiell bleibt der Bildungsstreik aber das was er schon immer gewesen ist: Leute mit unterschiedlichsten Meinungen, die jedoch in den Forderungen des Bildungsstreiks übereinstimmen.
Du kennst jetzt die Motivationen von einigen von uns. Wir warten darauf deine Meinung am 6. Juli zu hören. Komm um 18 Uhr in den HS 1199 und diskutiere darüber sowie über die Aktionsformen des Bildungsstreiks im Allgemeinen!

Inwiefern sind der Bahnhof Freiburg, die Deutsche Bahn AG oder die Reisenden am Freiburger Bahnhof “verantwortliche[.] oder symbolische[.] Stellen” im Zusammenhang mit dem Bildungsstreik bzw. den Bolognareformen, wie in der Antwort auf die zweite Frage angedeutet wird? Und ist die Besetzung von Gleisen wirklich “nur” Protest oder mehr?
Dazu auch:
5 Antworten: Was hat die Gleisbesetzung den Bildungs-Demonstranten gebracht?
Am Ende der Bildungsstreik-Demo mit rund 1500 Teilnehmern besetzte ein kleiner Teil der Demonstranten für rund eineinhalb Stunden das Gleis 1 am Freiburger Hauptbahnhof. Was hat die Aktion gebracht? 5 Antworten von Tom Peters, Mitglied im Vorstand des UStA der PH.
Weiterlesen auf fudder.de:
http://fudder.de/artikel/2010/06/10/5-antworten-was-hat-die-gleisbesetzung-den-bildungs-demonstranten-gebracht/
Also ich bin überzeugt von dem zumindest vorangestellten Motto dieses Streiks. Bin selbst ein Kind aus einer nichtakademikerfamilie und jobbe neben dem Studium um mir Studiengebühren leisten zu können.
Gerade bei der gleisbesetzung habe ich jedoch wieder gesehen,
dass hier in Freiburg aus einem guten gedanken ofals einfach nur Protest zum Zwecke des protestierend gemacht wird. Natürlich waren es auch Studenten, die die Gleise blockiert haben, doch die “Anstifter” hierzu waren wie so oft linksradikale protestler, die ich schon von früheren Demonstrationen als Unruhestifter und gewaltbereite radikalisten in Erinnerung habe.
Wir haben auch ohne die bahnhofsbesetzung Aufmerksamkeit erregt und im Gegensatz zu der Stellungnahme eurer seits habe ich keine einzige positive Rückmeldung zu der bahnhofsbesetzung bekommen. Im gegnteil.
Viele Passanten fanden diese Aktion ebenfalls übertrieben. Solche Aktionen bringen uns nicht ans Ziel! Solche Aktionen dienen nur dem kravallbedürfnis mancher dagegen-bin-linksradikalen. So verlieren wir auf jeden Fall Glaubwürdigkeit und rückhalt!
Da stimme ich dir voll und ganz zu!!!
Ich werde mich an keinem eurer Proteste mehr beteiligen!
“doch die “Anstifter” hierzu waren wie so oft linksradikale protestler, die ich schon von früheren Demonstrationen als Unruhestifter und gewaltbereite radikalisten in Erinnerung habe.”
In Freiburg “gewaltbereite Radikalisten” ausfindig zu machen finde ich echt schwer. Da hast du eine Fähigkeit die derzeit nichtmal der Verfassungschutz besitzt. Aber vielleicht liegt das auch daran dass sämtliche “Chaotenkrieg(e) in Freiburg” (BILD-Zeitung) friedlich ablaufen.
Inwieweit die Studierenden ihre Forderungen durchbekommen ohne “Druck” aufzubauen. Und ob ein Aufbauen von Druck überhaupt möglich ist ohen solche Aktionen, dass solltet ihr schleunigst diskutieren und für Euch und Euer weiteres Vorgehen entscheiden.
Ich wage es zu bezweifeln.
Denn ohne diese Bahnhofsaktion (lokal, andere Besetzungen bundesweit) wäre des Bildungsstreik nie so ins Gespräch gekommen.
Und das Gute ist:
Jetzt verstehen alle Bahnhof!
der Bahnhofs-Versteher
@Berlin: Kann deinen Ausführungen nicht zustimmen. Es gab sehr wohl positive Resonanz auf die Gleisbesetzung. Zum Beispiel in Form von Leserbriefen in der Badischen Zeitung. Hier einige davon:
http://www.ph-freiburg.com/fileadmin/Leserbrief_BZ_21_06_2010.pdf
http://www.ph-freiburg.com/fileadmin/Leserbriefe_BZ_14_06_2010.pdf
@Berlin: Kann deinen Ausführungen nicht zustimmen. Es gab sehr wohl positive Resonanz auf die Gleisbesetzung. Zum Beispiel in Form von Leserbriefen in der Badischen Zeitung. Hier einige davon:
http://www.ph-freiburg.com/fileadmin/Leserbrief_BZ_21_06_2010.pdf
http://www.ph-freiburg.com/fileadmin/Leserbriefe_BZ_14_06_2010.pdf
Feedback in Richtung “Hauptsache dagegen”/”Protest ohne was dahinter” bekommt man ja relativ oft zu hören, spannend, dass sich mal eine Gelegenheit ergibt, näher darauf einzugehen.
Barlin & Egon:
Wie richtet man Scheinwerfer auf ein ‘ernstzunehmendes Motto’ ohne Aktionen wie diese?
Denkt ihr, es reicht, dassl jemand in seinem Hinterzimmer Forderungen formuliert, damit sich etwas ändert?
Proteste, die auch wirklich irgendwo im Weg stehen, machen es erst notwendig (oder legen zumindest nahe.:), sich über die Gründe Gedanken zu machen. Es ist immer das Einfachste zu sagen, da will nur eine Gruppe Linksradikaler Krawall machen. Der ein oder andere fragt aber vielleicht genauer nach, interessiert und informiert sich, und diese Aufmerksamkeit ist natürlich eine Zielsetzung jeder Protestaktion.
)
Ob das mit der Gleisbesetzung geglückt ist (sich gelohnt hat), kann ich nicht sagen, fraglich ob negative publicity auch gute publicity ist.
Aber grundsätzlich geht es nicht ohne in irgendeiner Form, auch lauter und ungemütlicher, auf sich aufmerksam zu machen. (etwa so http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/zuendelnde-feministin/
Bis jetzt hat sich ja, sorry, scheiße wenig geändert.