Vorlesungsmarathon

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Alle Veranstaltungen finden im Audimax statt. Jede/r darf kommen.

Freitag, 27.11.

  • 11:00 Prof. Dr. Angeli Janhsen (Kunstgeschichte): “Neue Kunst als (politische) Aktion”
    Dass Joseph Beuys sich als Professor an der DüsseldorferKunstakademie nicht an den Numerus Clausus gehalten hat unddeshalb von Johannes Rau gekündigt wurde, ist vielleicht bekannt. Seine Arbeit “7000 Eichen” auf der Documenta 7(1982) gehört (mit ihrem “grünen” Anspruch, so viele Bäumeneu zu pflanzen) zu den offensichtlich politischenAktionen. Aber auch viele andere Aktionen anderer Künstlersind mit ihren merkwürdigen neuen Kunstformen politischeStatements.
  • 12:30 Irina Siegel (Soziologie): “Woran erkennt man die Qualität der Umfragedaten – vom Sinn und Unsinn des wissenschaftlichen Blendwerks oder Crashkurs für Dummies”
    Wir, alle, sind Nutzer oder Produzenten der sozialen Umfragedaten im Studium, Berufswelt oder als Privatperson. Wer Nutzen aus Umfragen ziehen will, sollte ihre Fehler und die Manipulationsmöglichkeiten kennen. In diesem Kurzvortrag sollte beispielhaft der verkürzten Darstellung der sozialen Daten und den unerlässlichen Qualitätskriterien der Umfrageforschung auf die Spur gegangen.
  • 13:00 Dr. Andrea Albrecht (Neuere Deutsche Literatur): “Wir hätten mehr singen sollen”
    Zu Uwe Timms Revolutionsroman “Rot”. Es handelt sich um einen literaturwissenschaftlich-musikalischen Vortrag zur 68-Studentenbewegung, der unter anderem zur Sprengung des Berliner Siegesengels aufruft.
  • 14:00 PD Dr. Gabriele Lingelbach (Historisches Seminar): “Das Ausland als Argument. Debatten zur Universitäts- und Wissenschaftsreform gestern und heute”
    In dem Vortrag geht es um die Feststellung, dass nicht nur heute ausländische Universitätsmodelle als Vorbilder für durchzuführende Reformen herangezogen werden, sondern dass dieser reforminduzierte Verweis auf angeblich überlegene universitäre Strukturen im Ausland ein immer wieder benutzter Topos ist. Der Vortrag thematisiert frühere Reformdebatten, zieht die Analogie zur heutigen Diskussion und fragt danach, inwieweit strategische Überlegungen beim Verweis auf ausländische Vorbilder eine Rolle spielen und welcher Realitätsgehalt überhaupt hinter der Forderung steht, sich am Ausland zu orientieren.
  • 15:00 Prof. Dr. Georg Bier (Theologie): “Gleichheit in der Kirche”
  • 16:00 Prof. Dr. Andreas Nebelung (Institut für Agrarsoziologie und Beratungswesen): “Der geniale Mensch”
  • 17:00 Dr. Gunther Kleefeld (Literaturwissenschaft): “Das okkulte Erbe in der Dichtung Georg Trakls”
    Die im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Dichtung Georg Trakls wird literarhistorisch zwar dem frühen Expressionismus zugerechnet, sie ist jedoch in erster Linie ein besonders spannendes Kapitel der Wirkungsgeschichte des französischen Symbolismus in der deutschsprachigen Literatur. Der Vortrag präsentiert neue Einsichten in diese “hermetische” Lyrik, deckt ihre Bezüge auf zum esoterischen Diskurs um 1900. Drei Themen werden dabei angesprochen: die Zahlenmystik, der Satanismus und die Alchemie.
  • 18:00 Göz Kaufmann (Linguistik): “Attitüden und Sprachverhalten an der brasilianisch-uruguayischen Grenze
    Da Spanien gut fünfmal so groß ist wie Portugal (und gut viermal so viele Einwohner hat), erstaunt es uns nicht, daß Spanisch in Europa ein weitaus größeres Gewicht besitzt als Portugiesisch. Daß diese Sprache auch weltweit dem Portugiesischen „den Rang abläuft“, ist allerdings – wenn man sich die Verhältnisse in Lateinamerika ansieht –, nicht mehr ganz so verständlich. Hier trifft zum Beispiel Uruguay mit Brasilien zusammen. Dabei ist das fünftgrößte Land der Erde 48-mal so groß wie Uruguay und hat 58-mal mehr Einwohner. Wäre Uruguay ein Teil Brasiliens, läge es unter den dann 27 brasilianischen Bundesstaaten (ohne den Bundesdistrikt) in bezug auf seine Größe und seine Einwohnerzahl nur an fünfzehnter Stelle. Um die sprachlichen und attitüdinalen Folgen eines solch gewaltigen Größenunterschieds analysieren zu können, habe ich an der 1000 Km langen brasilianisch-uruguayischen Grenze 400 Interviews mit Schülern durchgeführt. Das Verhalten und die Meinungen der Informanten aus acht Städten (vier Zwillingsstädte) entsprechen dabei teilweise unseren Erwartungen, teilweise weichen sie aber auch davon ab. Gerade diese unerwarteten Abweichungen sollen in dem Vortrag untersucht werden.
  • 20:00 Dr. Claus Kleber: “Krieg und Medien in den USA”
    In seinem Vortrag zeichnet Claus Kleber ein aufschlussreiches Portrait der Supermacht im Konflikt mit sich selbst und erläutert die widersprüchliche Rolle amerikanischer Medien in Kriegszeiten. War die Gleichschaltung der freien Presse nach 9/11 das Ergebnis von Zensur durch das Weiße Haus oder folgten die Journalisten den Gesetzen des Marktes? Ist es überhaupt möglich, sich im Chaos eines Krieges durch Gespräche mit den Menschen vor Ort ein Urteil zu bilden? Was passiert, wenn unabhängige Reporter und Reporterinnen ein anderes Bild von der Front zeichnen als das Militär? Und wie kann man ein vielschichtiges Bild der amerikanischen Politik und Gesellschaft in deutschen Medien vermitteln? (http://www.carl-schurz-haus.de)
  • 23:00 Dr. Stefan Höppner (Germanistik): “Erzählen von Fremdheit im Comic”
  • 0:00 Prof. Dr. Wolfgang Soergel (Mathematik): “Mathematik der Ornamente”
  • 1:00 Dr. Marcel Baumann (Internationale Politik): “Wir sind alle Terroristen”?
    Neue Forschungsperspektiven auf politische Gewalt

Samstag, 28.11.

  • 10:00 PD Dr. Jörg Schwarz (Geschichte): “Die mittelalterliche Bildungsrevolution”
    Die Entstehung der Universitäten im 12. und 13. Jahrhundert
  • 11:00 Dr. Barbara Henze (Theologie/Frömmigkeitsgeschichte): „Der Beginn der Universitäten und die Suche nach dem “Mehr”“
    Die ersten Universitäten im 12. und 13. Jahrhundert wurden von einer Aufbruchsbewegung getragen, die neben Bildungseinrichtungen weitere für die Organisation der aufblühenden Stadtgesellschaften wichtige Institutionen wie die Hospitäler erprobte, neues Denken riskierte („Sic et non“ von Petrus Abaelard) und in der sog. religiösen Armutsbewegung einen alternativen Lebensstil propagierte. Der Vortrag wird den geistesgeschichtlichen Hintergrund der Gründung der Universitäten und ihren Wert für heute erläutern.
  • 12:00 Dr. Carola Redzich (Germanistik/Mediävistik): „Lateinisch-deutsche Sprachgeschichte(n): Vom Mythos zum Wissenschaftsparadigma“
    Eine Kritik der modernen Sprachgeschichtsschreibung.
  • 13:00 Dr. Jochen Conzelmann (Germanistik/Mediävistik): „Zur Problematik des Begriffs der höfischen Liebe und ihrer Vermittlung in der universitären Lehre“
    Mit den Begriffen ‘höfische Liebe’ und ‘hohe Minne’ verbinden sich gängige Klischeevorstellungen vom Mittelalter, der mittelalterlichen Literatur und der mittelalterlichen Liebesauffassung, die einer Überprüfung an den überlieferten Texten nicht standhalten, aber nicht nur auf Hollywoodverfimlungen mittelalterlicher Stoffe, sondern durchaus auch auf methodisch fragwürdigen Vorgehensweisen der älteren mediävistischen Forschung beruhen. Sie werden bis heute in Schulbüchern oder auch Einführungen in die Mediävistik bzw. zum Minnesang tradiert. Die sich hieraus ergebende Problematik für die universitäre Lehre stellt sich als Beispielfall für weitreichende Fehlentwicklungen an den deutschen Hochschulen dar: Eine kritische Auseinandersetzung mit überkommenen (Forschungs-)Meinungen muss elementarer Bestandteil der universitären Lehre sein, um wissenschaftliche Innovation zu ermöglichen. Wo sich aber – durch die jüngeren hochschulpolitischen Entwicklungen massiv gefördert – unter Studierenden eine “richtig/falsch”-Mentalität durchsetzt,  der Glaube an den ‘Nürnberger Trichter’  offenbar Urstände feiert und es zu einer zunehmenden Trennung zwischen Forschung und Lehre kommt, kann dies nur noch unzureichend gelingen.
  • 14:00 Dr. Ingrid Wehr (Arnold-Bergstraesser-Institut): “Bildung als Privileg der Wenigen: Das chilenische Bildungssystem in vergleichender Perspektive
    Im Kontext der Pinochet-Diktatur wurden zahlreiche Sozialreformen der 1960er und Anfang der 1970er wieder rückgängig gemacht. Dies zeigt sich u.a. auch im Bildungssystem, das sich nach wie vor durch eine extreme Segmentierung zwischen privatem und öffentlichen System und eklatante Zugangsungerechtigkeiten auszeichnet. Das chilenische Beispiel eignet sich daher in besonderem Maße, um Fragen von Chancengleichheit, Privilegienperpetuierung und Förderung benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu diskutieren.
  • 15:00 Franziska Wittig: „Vortrag über eine 12-stündige Castorblockade und anschließende Repression“
    Letzten November stoppten drei Anti- Atom- AktivistInnen den Castor- Transport für 12 Stunden, mittels eines in das Gleisbett gegossenen Betonklotz, an den die AktivistInnen sich ketteten. Nun stehen sie vor Gericht. Vorwurf: „Nötigung“. Ein Vortrag über Atomkraft, Blockadetechniken und gerichtete Justiz.
  • 17:00 Vortrag Andreas Kuck (Chaos Computer Club): Videoüberwachung. Hintergründe, Auswirkungen und Reaktionsmöglichkeiten.
    Die Videoüberwachung in der freiburger Innenstadt wird stetig ausgeweitet. Beispielsweise von öffentlichen Gebäuden sowie in den Fahrzeugen und an Haltestellen der VAG beobachten Kameras das Treiben der Passanten. Wohin steuert die Regierung? Was sagen die Bürger dazu? Wie können wir reagieren?